Berufsschulstufe

Die Berufsschulstufe

 

Flyer Berufsschulstufe

„Erzähle mir und ich vergesse,

zeige mir und ich erinnere,

lass mich tun und ich verstehe“

Konfuzius

 

Die 3-jährige Berufsschulstufe schließt sich nahtlos an die Regelschulzeit an. Die Schüler/innen des Förderzentrums geistige Entwicklung erfüllen hier ihre Berufsschulpflicht. Die Berufsschulstufe stellt eine Brücke zwischen der Schule und dem Leben als Erwachsener dar. Ihre zentrale Aufgabe ist es, die Schüler/innen umfassend auf das Leben als Erwachsene mit größtmöglicher Teilhabe am Leben in der Gesellschaft vorzubereiten.

Die Schüler/innen werden im Laufe der 3jährigen Berufsschulstufenzeit volljährig. Wir sprechen deshalb unsere Schüler/innen mit „Sie“ an und pflegen erwachsenengemäße Umgangsformen.

 

Im Unterricht gilt der Grundsatz: Empowerment anstelle von Behütung. Es ist uns wichtig, die Schüler/innen zu einem möglichst selbstständigen Handeln zu ermutigen und ihnen die Hilfen zukommen zu lassen, die sie benötigen. Reflexion, Selbst- und Fremdbeurteilung von Arbeitsprozessen und -ergebnissen tragen zu einer realistischen Selbsteinschätzung und zu mehr Selbstständigkeit bei. Wahlmöglichkeiten (Projekte im Praxistag, Angebote im Wahlpflichtunterricht, Wahl von Praktikumsstellen) und Möglichkeiten der Mitbestimmung ermöglichen eine aktive Teilnahme an Entscheidungsprozessen.

Lernen erfolgt in der Berufsschulstufe so oft wie möglich in realen Situationen und an außerschulischen Lernorten (à Lernbereiche). Differenzierte Angebote, projektorientierte Vorhaben und unterschiedliche Arbeitsgruppen führen dazu, dass der Klassenverband häufig aufgelöst wird. Die Jugendlichen trainieren so, sich in unterschiedlichen sozialen Situationen zu orientieren.

Wir sehen es als unsere zentrale Aufgabe an, gemeinsam mit jedem Schüler / jeder Schülerin eine Perspektive für die Zeit nach der Schule zu entwickeln und die nötigen Vorbereitungen für einen guten Übergang zu treffen.

„Ein sinnerfülltes Leben in möglichst weitgehender Selbstständigkeit“,

das meint für jeden unserer Schüler etwas anderes. Wir betrachten es als unseren Auftrag und unsere Verpflichtung, in der Berufsschulstufe dafür Sorge zu tragen.

 

Lernbereich Persönlichkeit und soziale Beziehungen: Lebenswegplanung 

Im Übergang zum Leben als Erwachsene/r kommen häufig Fragen auf, die mit dem zukünftigen Lebensweg in Zusammenhang stehen, z. B. „Wie möchte ich wohnen?“, „Wo möchte ich arbeiten?“, „Wie finde ich eine Partnerin?“ o.ä.

Die Berufsschulstufe bemüht sich darum, die Schüler/innen zur Auseinandersetzung mit diesen und anderen Fragen zu ermutigen und sie bei einer aktiven Lebenswegplanung zu unterstützen. Grundlage dieses Anliegens bildet das Modell der „Persönlichen Zukunftsplanung“ (nach Stefan Doose).

Die Lebenswegplanung begleitet die Schüler/innen während ihrer gesamten Berufsschulzeit. An ihrem Beginn steht die Auseinandersetzung mit der eigenen Person, den persönlichen Interessen und Stärken. Ihr folgt der Entwurf einer Zukunftsperspektive, Träume sind hier ausdrücklich erwünscht, und aus ihnen ergeben sich nach Konkretisierung bestimmte Ziele. Im Rahmen eines „Unterstützerkreises“ wird im weiteren Verlauf an der Realisierung der Ziele gearbeitet. Der Lehrkraft kommt in diesem gesamten Prozess die Aufgabe des Initiators und, wenn gewünscht, Begleiters zu; die Zusammenarbeit mit dem Elternhaus ist unabdingbare Voraussetzung.

 

Lernbereich Arbeit und Beruf

Die Berufsschulstufe versucht durch vielfältige Angebote, die Schüler/innen auf die Anforderungen des Arbeitslebens vorzubereiten. Dabei sind praktische Erfahrungen ebenso zentrale Inhalte wie die Entwicklung arbeitsrelevanter Schlüsselkompetenzen und einer realistischen Selbsteinschätzung.

Im Rahmen des wöchentlich stattfindenden Praxistages erproben sich die Schüler/innen in verschiedenen innerschulischen Arbeitsfeldern, die realitätsnah und an den Erfordernissen der Arbeitswelt orientiert sind (Pausenverkauf, Getränkelieferservice, Autoreinigung, Backwerkstatt, Bügelservice, Holz-/ Metallwerkstatt, Stallarbeit).

Das „Café Bücherwurm“ bietet ein regelmäßiges Erprobungsfeld in einer öffentlichen Einrichtung (à regelmäßige Projekte).

 Während der Berufsschulzeit leisten die Schüler/innen verschiedene ein- oder mehrwöchige Betriebspraktika ab. Dies kann in geschützten Einrichtungen (WfbM, Tagesförderstätte, TAU) ebenso wie in Betrieben des allgemeinen Arbeitsmarktes erfolgen. Wichtiger Kooperationspartner in diesem Zusammenhang ist der Integrationsfachdienst IFD (Maßnahme Übergang Förderschule – Beruf; Berufsorientierung Individuell).

Je nach individuellen Fähigkeiten und den Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt stehen den Schüler/innen am Übergang in die Berufswelt verschiedene Möglichkeiten offen, die von der Beschäftigung in einer geschützten Einrichtung über Maßnahmen zur Eingliederung bis hin zur Vermittlung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt reichen.

 

Wohnen

Im Lernbereich Wohnen setzen sich die Schüler/innen mit zukünftigen Wohnmöglichkeiten auseinander und entwickeln Perspektiven für die eigene Wohnsituation im Erwachsenenalter.

Im Trainingshaus der Berufsschulstufe können sie die für ein möglichst selbstständiges Wohnen erforderlichen Kompetenzen in realistischen Situationen einüben.

Das in jedem Schuljahr angebotene Wohntraining im Berufsschulstufenhaus bietet den Jugendlichen die Möglichkeit, ihre erworbenen Fähigkeiten zu erproben und zu erweitern: In Kleingruppen gestalten sie für je eine Woche ihren Alltag nach dem Grundsatz „So viel Selbstständigkeit wie möglich, so viel Assistenz wie nötig“.

 

Öffentlichkeit

Die aktive Teilnahme am öffentlichen Leben ist ein weiterer zentraler Bestandteil der Berufsschulstufe. Sie umfasst

den Besuch von öffentlichen Veranstaltungen und Einrichtungen (Kino, Museum, Theater, VHS, Schwimmbad, Cafés etc.)

die Nutzung von Dienstleistungen (Bank, Post, Rathaus etc.); das eigene Konto der Berufsschulstufe ermöglicht es den Jugendlichen, die Nutzung und Verwaltung eines Kontos konkret zu üben

die politische und kulturelle Bildung (z.B.  Vorbereitung auf Wahlen, Nachrichtenwerkstatt)

die Mitwirkung im gesellschaftlichen Umfeld („Café Bücherwurm“ in der Stadtbibliothek, jährlicher Stand der Berufsschulstufe auf dem Weihnachtsmarkt in Alzenau, Teilnahme an der Aktion „saubere Landschaft“ etc.)

 

Mobilitätstraining

Ein Mobilitätstraining, in dem die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel wie Stadtbus und Bahn trainiert wird, ermöglicht vielen Jugendlichen größere Selbstständigkeit und Unabhängigkeit.

 

Freizeit

Ziel des Lernbereichs Freizeit ist es, die Schüler/innen darin zu unterstützen, zunehmend selbstständig und eigenverantwortlich mit ihrer freien Zeit umzugehen. Das Wahrnehmen individueller Vorlieben und die Entwicklung neuer altersadäquater Interessen werden ermöglicht durch zahlreiche Freizeitangebote im Rahmen des Unterrichts sowie durch vielfältige Wahlmöglichkeiten. Zentrale Inhalte sind das Kennenlernen verschiedener Freizeitorte in Aschaffenburg und Umgebung sowie die jährliche Planung, Durchführung und Reflexion der Freizeitwoche und der Abschlussfahrt, die jeweils in größtmöglicher Selbstständigkeit der Schüler/innen realisiert werden. Wichtige Informationen, Adressen und Telefonnummern zu den Freizeitaktivitäten werden im individuellen Lebensordner festgehalten und ermöglichen so die nachschulische Nutzung.